Geschichtsgruppe 17. Oktober 2019

Im Rathaus brennt noch Licht...Im Rathaus brennt noch Licht …

 

Pünktlich um 18 Uhr begrüßt Ingobert Rost 13 anwesende Mitglieder und insbesondere unseren auf dem Weg der Genesung befindlichen Geschichtsgruppen-Leiter Gotthard Clauß. Nach Absprache zwischen beiden wird heute aber Ingobert „durch den Abend führen“.
Binnen Minuten treffen zwei Nachzügler ein, so dass unser Treffen mit 15 Mitgliedern stattfindet.

Geschichtsgruppe Einsiedel am 17.10.19
15 Mitglieder beim heutigen Treffen

Zum „Tag der offenen Tür“ der „Heim gGmbH“ am 28. Oktober unterstützt die Geschichtsgruppe mit Führungen durch unsere Räumlichkeiten. Natürlich incl. Erklärung der zahlreichen, verschiedenen Ausstellungsstücke und Beantwortung von Fragen zur Einsiedler Historie.

Silvio Müller brachte uns auf den letzten Stand zum Thema Erinnerungstafeln für das Massengrab auf dem Friedhof. Er präsentierte zwei weitere Kostenvoranschläge, wovon einer preislich unseren Vorstellungen und Möglichkeiten entspricht. Es herrschte Übereinstimmung, dass dies nun das finale Angebot ist, welches zur Ausführung kommt.
Der Vereinsvorsitzende Gerd Arnold wird jetzt das Weitere mit dem Vorstand in die Wege leiten. Der Rahmen, der die drei Tafeln später aufnehmen wird, ist noch nicht Bestandteil dieses Auftrages, kommt aber rechtzeitig vor dem 75. Jahrestag der Bombardierung am 5. März 2020 dazu.
Die Gedenkveranstaltung im nächsten Jahr wird sicher umfangreich und sehr würdevoll. Planungen dazu laufen, z.B. müssen einige Bäume ausgeschnitten werden.

Gerd Arnold bedankt sich bei Silvio Müller für dessen umfangreiche Zuarbeit und kommt noch einmal kurz auf die historische Ortsbeschilderung zu sprechen, die derzeit im Sägewerk Kunze in Arbeit ist und die teilweise durch den Verein initiiert wurde.
Für zukünftige (historische) Hinweisschilder dieser Art kann das rückwärtige Trägermaterial aus Holz weggelassen werden, da die Tafeln aus Alu-Dibond in sich selbst genügend Stabilität aufweisen.

Die Dokumentationskarte über die 1945 zerstörten Einsiedler Häuser (siehe Treffen unter dem 18. April 2019) wurde gerahmt und hat ihren Ehrenplatz an einer unserer Wände gefunden. Gleich daneben einige Daten über den Ersteller und Leihgeber Heinz Günther.

Dokumentationskarte Bombenschäden
Heinz Günther: Dokumentationskarte Bombenschäden

Ingobert Rost berichtete vom Fund einer Stabbrandbombe im Papierkorb (!) auf den Wettinhöhe. Gemeinsam mit Gerd Arnold wurde die Sache der Polizei übergeben und diese erst mal vor Ort gelotst. Die Beamten riefen den Kampfmittelbeseitigungsdienst in Dresden, der die Sache unspektakulär zum Abschluss brachte.

Stabbrandbombe
Brandbombenfund auf der Wettinhöhe: Eine von 40.000

Weiter unten folgt ein Bericht vom 16. April 1945, wo wir lesen, dass ca. 40.000 Stabbrandbomben über Einsiedel angeworfen wurden, so dass dies ganz sicher nicht das letzte Relikt ihrer Art ist, was im Ort noch gefunden wird.
Gotthard Hüttl berichtet, dass nach der Bombennacht allein auf dem elterlichen Grundstück (890 m²) fast 30 derartige Brandbomben lagen.

Gerd Magerl fand in seinem Haus einige alte Fotoplatten, die er Ingobert Rost übergeben hatte und dieser hat dann in einem Spezialgeschäft digitale Bilder davon fertigen lassen.
Die Aufnahmen weisen eine große Tiefenschärfe auf und zeigen meist unbekannte Personen aus Einsiedel und Erfenschlag. Dazu kamen dann noch einige historische Ortsbilder. Trotz widerspenstigem Beamer und/oder USB-Stick gelang Gerald Claus die Vorführung der Aufnahmen, die Ingobert Rost moderierte.

Alte Fotoplatten digitalisiert:
Wenn Beamer und USB-Stick „zusammenarbeiten“ würden, wäre es perfekt.
Schlussbericht 1945
Schlussbericht

Höhepunkt des Abends waren dann zwei weitere Berichte aus dem Nachlass von Ursula Sieber, die früher für die Gemeindeverwaltung tätig war.
Zum einen war da der statistische Schlussbericht des Einsiedler Bürgermeisters vom 16. April 1945 über die Personen- und Sachschäden des anglo-amerikanischen Bombenangriffs vom 5. März 1945.

Authentisches aus unserer Vergangenheit
Authentisches aus unserer Vergangenheit: Gemeindebericht vom 16. April 1945

Viel erschütternder war aber Ursula Siebers privater Bericht an ihren Onkel und Tante vom 20. Februar 1945, in dem sie in fünf eng beschriebenen Seiten mit Schreibmaschine die Erlebnisse der vielen Bombenalarme und des Tagangriffs vom 6. Februar und der Angriffe vom 14. Februar (mittags und abends) 1945 niederschrieb. Wir wissen heute, dass es am 5. März noch viel schlimmer kommen sollte, aber ihr sehr detaillierter Bericht über die ersten Bombenangriffe war für alle hier neu und emotional sehr prägend. In der Betroffenheit kam eine lange und sachliche Diskussion zustande.

Ingobert Rost beendet unsere heutige Runde um 19:33 Uhr.

Carsten Claus
19. Oktober 2019

(Fotos: Stabbrandbombe: Ingobert Rost, alle anderen: Carsten Claus)

 

 

 

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